Burgzeiten, bewegte Zeiten

Zeitleiste

1150

1342

1803

1919

1950

2013

Aquarell 1787
  • 1150 Gründung der Burg Rothenfels durch den fränkischen Adeligen Marquard II. von Grumbach. Die Edelfreien von Grumbach sind in Thüringen, Mainfranken und Schwaben begütert und bauen ein Netz von Stützpunkten und Klostervogteien auf. Sie gehören zum engen Mitarbeiterstab der Stauferkönige Konrad III. und Friedrich I. Barbarossa und der Fürstbischöfe von Würzburg.
  • Ab 1150 Bau der romanischen Kernburg. Heute noch sichtbar sind der Bergfried, der Stumpf des runden Westturmes, die Untergeschosse des viereckigen Südturmes und Teile der Ring- und Schildmauer. Lehnsherr der Burg ist die Benediktinerabtei Neustadt am Main, die aus ihrem Besitz den Baugrund und Land abgibt. Im Schutz der Burg entstehen Versorgungshöfe auf dem Berg und eine Ansiedlung im Tal.
  • 1166 Marquard III. von Grumbach stirbt als kaiserlicher Statthalter der Lombardei in Mailand.
  • 1190 Albert I. von Grumbach stirbt als Kreuzritter in Kleinasien.
  • 1243 Albert II. von Grumbach stirbt als letzter Mann der Familie. Rothenfels kommt über seine Tochter Udelhilt an deren Ehemann Graf Ludwig III. von Rieneck. Lehnsherr der Burg wird das Hochstift Würzburg.
  • Um 1250 Bau des Ostturmes als Wohnturm.
  • 1282 Das Amt Rothenfels wird zum ersten Mal urkundlich erwähnt, Amtssitz ist die Burg.
  • 1333 Graf Ludwig V. von Rieneck-Rothenfels stirbt ohne männliche Erben. Die Burg wird von seinen Verwandten Kraft II. von Hohenlohe und Ulrich II. von Hanau besetzt.
Ostern 1928 auf der Reigenwiese
  • 1342 Der Ort Rothenfels wird zum ersten Mal urkundlich als Stadt erwähnt. In der Ackerbürgerstadt siedeln sich auch Handwerker und Gewerbe an.
  • 1342 Udelhilt von Rieneck-Rothenfels verkauft ihre Rechte an Kaiser Ludwig IV. den Bayern. Der Erbstreit mit den Familien Hohenlohe und Hanau wird friedlich beigelegt. Das Haus Wittelsbach und das Hochstift Würzburg teilen sich die Herrschaft über Burg, Stadt und Amt Rothenfels. Beginn zahlreicher Verpfändungen und Teilverpfändungen von Burg und Amt. Beginn der Reihe fürstbischöflich-würzburgischer Amtmänner.
  • 1474 Fürstbischof Rudolf II. von Scherenberg kauft sämtliche Pfänder auf Burg und Amt Rothenfels.
  • 1500-25 Errichtung der drei Flügel der Innenburg und Umbau der Wohntürme (Süd- und Ostturm) unter Verwendung romanischer Bauteile.
  • 1525 Besetzung, Beschädigung und Wiederherstellung der Burg im Bauernkrieg.
  • 1625-28 Neubau des Inneren Burgtores und der Torhäuser.
  • 1631-48 Besetzungen und Beschädigungen im Dreißigjährigen Krieg.
  • 1720-66 Renovierungen in der gesamten Anlage, Umgestaltung des Burggrabens zum Barockgarten.
  • 1755/56 Neubau der Kellerei („Amtshaus“) in der Außenburg.
Hermann Hoffmann mit Bernhard Strehler
  • 1802/03 Übergang an das Fürstliche Haus Löwenstein-Wertheim-Rosenberg infolge der Säkularisation der geistlichen Staaten.
  • 1814 Burg, Stadt und Teile des Amtes Rothenfels kommen staatsrechtlich an das Königreich Bayern. Die Burg verbleibt im Besitz der Fürsten von Löwenstein, die hier ein Herrschaftsgericht einrichten.
  • 1910 Verlegung der Burgkapelle in den heutigen Raum und Nutzung als Dorfkirche.
  • 1917 Gründung des Vereins der Quickbornfreunde e. V. mit dem Ziel, eine Zentrale für den katholischen Jugendbund Quickborn zu bauen.
Amtshaus heute mit 'Gartensaal'
  • 1919 Kauf der Burg durch den Verein, Beginn des Ausbaues als Tagungsstätte und Jugendherberge. Die Theologen und Pädagogen Josef Außem (1888-1956), Hermann Hoffmann (1878-1972), Josef Martin Hofmann (1880-1957), Klemens Neumann (1873-1928) und Bernhard Strehler (1872-1945) entfalten und leiten die Tagungsarbeit der Burg.
  • 1927 Der Theologe und Religionsphilosoph Romano Guardini (1885-1968) wird geistlicher Leiter der Burg und des Bundes Quickborn. Rothenfels strahlt aus als ein Zentrum religiöser und kultureller Bildung und Experimentierfeld der Liturgischen Bewegung.
  • 1927 Beginn der Umgestaltung der Burg unter Leitung des Architekten Rudolf Schwarz (1897-1961). Burgkapelle und Rittersaal werden zu wegweisenden Beispielen neuer Form und Ausstattung sakraler Räume im Dienst der Gemeinde.
  • 1933 Der Verein der Quickbornfreunde benennt sich um in Vereinigung der Freunde von Burg Rothenfels. Die Burg, zeitweise besetzt als Arbeitsdienstlager, arbeitet unter erschwerten Bedingungen weiter als unabhängige christliche Tagungsstätte. Der Bund Quickborn gründet sich nach einer taktischen Selbstauflösung neu als katholischer Abstinentenverein im Schutz des Reichskonkordats.
  • 1939 Die Vereinigung der Freunde und der Bund Quickborn werden von der Geheimen Staatspolizei wegen „volks- und staatsfeindlicher Tätigkeit“ verboten. Die Burg wird von den NS-Behörden beschlagnahmt und als Lager für Umsiedler und Flüchtlinge genutzt. Freundeskreise der Burg und des Bundes bestehen illegal fort und treffen sich zu Exerzitien in Klöstern oder getarnt als Familienfeiern. Viele Mitglieder erleiden Verhaftung und Verfolgung, einige gehen in die Widerstandsbewegung.
  • 1945 Nach Kriegsende dient die Burg weiter als Flüchtlingslager.
  • 1948 wird die Auflösung von 1939 zum Unrechtsakt erklärt und die Vereinigung der Freunde von Burg Rothenfels in das Vereinsregister wieder eingetragen. In einigen gemieteten Trakten der Burg kann die Tagungsarbeit unter Leitung des Guardini-Schülers Heinrich Kahlefeld (1903-1980) neu beginnen. 
Holzhackschnitzelheizung im Fiegegarten 2009
  • 1950 gelingt nach jahrelangen Verhandlungen die Rückgabe der Burg durch den Freistaat Bayern an die Vereinigung der Freunde. Erst zwei Jahre später folgt die endgültige Freigabe und die Auflösung des Flüchtlingslagers mit einer geringfügigen Entschädigung. Die Gebäude werden schrittweise für Tagungszwecke und als Jugendherberge renoviert.
  • 1970 beginnt die grundlegende Sanierung aller Gebäude.
  • 2000 wird das „Amtshaus“ erweitert durch einen flachen Anbau für Tagungszwecke („Gartensaal“).
  • 2009/10 gelingt der vorläufige Abschluss der Sanierungen. Kanäle und Leitungen für Wasser, Abwasser, Strom und Heizung sind neu verlegt, im ehemaligen Ökonomiehof ist eine zentrale Heizungsanlage entstanden. Mit der Holzhackschnitzel-Heizung sind sämtliche Gebäude und die Großküche auf dem neuesten Stand ökologischer Energieversorgung.
  • 2013 startet der Trägerverein zuversichtlich in ein neues Arbeitsjahr auf gesunder wirtschaftlicher Grundlage. Ermöglicht wird dies nicht zuletzt durch ehrenamtliches und spendenfreudiges Engagement zahlreicher Mitglieder.
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Rittersaal, Ostern 2013

Die Repräsentanten des Trägervereins seit 1948:

Vorstandvorsitzende:

  • Josef Seipel (1948),
  • Josef Heinrich Sommer (1948-57),
  • Ernst Josef Ludwig (1958-64),
  • Werner Hamelbeck (1964-70),
  • Klaus Boiserée (1970-71),
  • Friedrich Bayerl (1971-79),
  • Meinulf Barbers (1979-2007),
  • Mathilde Schaab-Hench (seit 2007).

Burgpfarrer (zunächst „Burgleiter“):

  • Heinrich Kahlefeld (1948-59),
  • Heinz Fleckenstein (1959-63,
  • zeitweise gemeinsam mit Bruno Leuschner und Bernhard Casper),
  • Bruno Leuschner (1965-74),
  • Ernst Josef Ludwig (1975-80),
  • Rolf Zerfaß (1987-91),
  • Gotthard Fuchs (seit 1996).

Bildungsreferenten:

  • Gerhard Kraiker (1963-64),
  • Winfried Mogge (1968-73),
  • Joachim Friebe und Christine Friebe-Baron (1973-74),
  • Barbara Gerl (1975-84),
  • Wilhelm Maas (1984-85),
  • Ludger Bradenbrink (1986-96),
  • Joachim Hake (1997-2006),
  • Achim Budde (seit 2007).