Seit 1150 ein besonderer Ort

Über 850 Jahre Geschichte – ein Ort für Begegnung, Bildung und Gemeinschaft.

Unsere Geschichte

Burg Rothenfels schaut auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück. Seit ihrer Gründung 1150 ist die Burg gewachsen – äußerlich und architektonisch an Gebäuden, innerlich und ideell an Ereignissen, Geschichten und Ideen. In ihrer langen Historie wird die Burg geprägt von verschiedenen Eigentümern, durchlebt großen Umbrüche, trotzt einigen Widrigkeiten und erlebt ungewöhnliche Wendungen. Seit über 100 Jahren schreibt die Burg ihre Geschichte mit der Vereinigung der Freunde von Burg Rothenfels fort. Als eine der besterhaltenen Burgen Frankens ist Burg Rothenfels heute ein lebendiges Denkmal, an dem Vergangenheit und Gegenwart aufeinandertreffen.

Geschichte im Detail

1150 – Gründung der Burg Rothenfels

Romanisches Bauwerk: Bergfried
Romanisches Bauwerk: Bergfried

Gründung der Burg Rothenfels durch den fränkischen Adeligen Marquard II. von Grumbach. Die Edelfreien von Grumbach sind in Thüringen, Mainfranken und Schwaben begütert und bauen ein Netz von Stützpunkten und Klostervogteien auf. Sie gehören zum engen Mitarbeiterstab der Stauferkönige Konrad III. und Friedrich I. Barbarossa und der Fürstbischöfe von Würzburg.

Ab 1150 – Bau der romanischen Kernburg

Bau der romanischen Kernburg. Heute noch sichtbar sind der Bergfried, der Stumpf des runden Westturmes, die Untergeschosse des viereckigen Südturmes und Teile der Ring- und Schildmauer. Lehnsherr der Burg ist die Benediktinerabtei Neustadt am Main, die aus ihrem Besitz Baugrund und Land abgibt. Im Schutz der Burg entstehen Versorgungshöfe auf dem Berg und eine Ansiedlung im Tal.

1166 – Tod des Marquard III. von Grumbach

Marquard III. von Grumbach stirbt als kaiserlicher Statthalter der Lombardei in Mailand.

1190 – Tod Albert I. von Grumbach

Albert I. von Grumbach stirbt als Kreuzritter in Kleinasien.

1243 – Tod Albert II. von Grumbach

Albert II. stirbt als letzter Mann der Familie von Grumbach. Rothenfels kommt über seine Tochter Udelhilt an deren Ehemann Graf Ludwig III. von Rieneck. Lehnsherr der Burg wird das Hochstift Würzburg.

Um 1250 – Bau des Ostturmes als Wohnturm

Fenstergruppe am Ostturm
Fenstergruppe am Ostturm

1282 – Erste urkundliche Nennung des Amts

Das Amt Rothenfels wird zum ersten Mal urkundlich erwähnt, Amtssitz ist die Burg.

1333 – Tod Graf Ludwig V. von Rieneck-Rothenfels

Graf Ludwig V. von Rieneck-Rothenfels stirbt ohne männliche Erben. Die Burg wird von seinen Verwandten Kraft II. von Hohenlohe und Ulrich II. von Hanau besetzt.

1342 – Erste urkundliche Nennung der Stadt

Burg und Stadt Rothenfels: Gemälde von 1787
Burg und Stadt Rothenfels: Gemälde von 1787

Der Ort Rothenfels wird zum ersten Mal urkundlich als Stadt erwähnt. In der Ackerbürgerstadt siedeln sich auch Handwerker und Gewerbe an.

Udelhilt von Rieneck-Rothenfels verkauft ihre Rechte an Kaiser Ludwig IV. den Bayern. Der Erbstreit mit den Familien Hohenlohe und Hanau wird friedlich beigelegt. Das Haus Wittelsbach und das Hochstift Würzburg teilen sich die Herrschaft über Burg, Stadt und Amt Rothenfels. Beginn zahlreicher Verpfändungen und Teilverpfändungen von Burg und Amt. Beginn der Reihe fürstbischöflich-würzburgischer Amtmänner.

1474 – Kauf aller Pfänder

Fürstbischof Rudolf II. von Scherenberg kauft sämtliche Pfänder auf Burg und Amt Rothenfels.

Um 1495–1527 – Errichtung der drei Flügel der Innenburg

Wappen des Fürstbischofs Lorenz von Bibra im Rittersaal
Wappen des Fürstbischofs Lorenz von Bibra im Rittersaal

Errichtung der drei Flügel der Innenburg und Umbau der Wohntürme (Süd- und Ostturm) unter Verwendung romanischer Bauteile.

1525 – Besetzung der Burg im Bauernkrieg

Besetzung und Beschädigung der Burg im Bauernkrieg.

1625–1628 – Neubau des Inneren Burgtores

Neubau des Inneren Burgtores und der Torhäuser.

1631–1648 – Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges

Besetzungen und Beschädigungen im Dreißigjährigen Krieg.

1720–1766 – Renovierungen in der gesamten Anlage

Renovierungen in der gesamten Anlage, Umgestaltung des Burggrabens zum Barockgarten.

1755/1756 – Neubau der Kellerei

Amtshaus und alte Burglinde (1919)
Amtshaus und alte Burglinde (1919)

Neubau der Kellerei („Amtshaus“) in der Außenburg.

1802/1803 – Übergang an das Haus Löwenstein

Übergang an das Fürstliche Haus Löwenstein-Wertheim-Rosenberg infolge der Säkularisation der geistlichen Staaten.

1814 – Königreich Bayern

Burg, Stadt und Teile des Amtes Rothenfels kommen staatsrechtlich an das Königreich Bayern. Die Burg verbleibt im Besitz der Fürsten von Löwenstein, die hier ein Herrschaftsgericht einrichten.

1910 – Verlegung der Burgkapelle

Verlegung der Burgkapelle in den heutigen Raum und Nutzung als Dorfkirche.

1917 – Vereinsgründung

Gründung des Vereins der Quickbornfreunde e. V. mit dem Ziel, eine Zentrale für den katholischen Jugendbund Quickborn zu bauen.

1919 – Kauf der Burg durch den Verein

Erster deutscher Quickborntag 1919
Erster deutscher Quickborntag 1919

Kauf der Burg durch den Verein der Quickbornfreunde, Beginn des Ausbaus als Tagungsstätte und Jugendherberge.

Die Theologen und Pädagogen Josef Außem (1888–1956), Hermann Hoffmann (1878–1972), Josef Martin Hofmann (1880–1957), Klemens Neumann (1873–1928) und Bernhard Strehler (1872–1945) entfalten und leiten die Tagungsarbeit der Burg.

1927 – Zentrum religiöser und kultureller Bildung

Der Theologe und Religionsphilosoph Romano Guardini (1885–1968) wird geistlicher Leiter der Burg und des Bundes Quickborn. Rothenfels strahlt aus als ein Zentrum religiöser und kultureller Bildung und Experimentierfeld der Liturgischen Bewegung.

1933 – Umbenennung des Vereins

Der Verein der Quickbornfreunde benennt sich um in Vereinigung der Freunde von Burg Rothenfels. Die Burg, zeitweise besetzt als Arbeitsdienstlager, arbeitet unter erschwerten Bedingungen weiter als unabhängige christliche Tagungsstätte. Der Bund Quickborn gründet sich nach einer taktischen Selbstauflösung neu als katholischer Abstinentenverein im Schutz des Reichskonkordats.

1939 – Beschlagnahme durch NS-Behörden

Die Vereinigung der Freunde und der Bund Quickborn werden von der Geheimen Staatspolizei wegen „volks- und staatsfeindlicher Tätigkeit“ verboten. Die Burg wird von den NS-Behörden beschlagnahmt und als Lager für Umsiedler und Flüchtlinge genutzt. Die Freundeskreise der Burg und des Bundes bestehen illegal fort und treffen sich zu Exerzitien in Klöstern oder getarnt als Familienfeiern. Viele Mitglieder erleiden Verhaftung und Verfolgung, einige gehen in die Widerstandsbewegung.

1945 – Burg als Flüchtlingslager

Nach Kriegsende dient die Burg weiter als Flüchtlingslager.

1948 – Auflösung wird zum Unrechtsakt erklärt

wird die Auflösung von 1939 zum Unrechtsakt erklärt und die Vereinigung der Freunde von Burg Rothenfels in das Vereinsregister wieder eingetragen. In einigen gemieteten Trakten der Burg kann die Tagungsarbeit unter Leitung des Guardini-Schülers Heinrich Kahlefeld (1903–1980) neu beginnen.

1950 – Rückgabe der Burg

1950 gelingt nach jahrelangen Verhandlungen die Rückgabe der Burg durch den Freistaat Bayern an die Vereinigung der Freunde. Erst zwei Jahre später folgt die endgültige Freigabe und die Auflösung des Flüchtlingslagers mit einer geringfügigen Entschädigung. Die Gebäude werden schrittweise für Tagungszwecke und als Jugendherberge renoviert.

Ab 1970 – Grundlegende Sanierung der Gebäude

1970 beginnt die grundlegende Sanierung aller Gebäude, die bis heute fortgesetzt wird.

2000 – Anbau für Tagungszwecke

Amtshaus heute mit
Amtshaus heute mit „Gartensaal“

2000 wird das sogenannte Amtshaus erweitert durch einen flachen Anbau für Tagungszwecke.

2009/2010

Holzhackschnitzelheizung im Fiegegarten 2009
Holzhackschnitzelheizung im Fiegegarten 2009

gelingt der Abschluss der Sanierungen der technischen Anlagen. Kanäle und Leitungen für Wasser, Abwasser, Strom und Heizung sind neu verlegt, im ehemaligen Ökonomiehof ist eine zentrale Heizungsanlage entstanden. Mit der Holzhackschnitzelheizung werden sämtliche Gebäude und die Großküche zeitgemäß und mit erneuerbaren Energien versorgt.

2019 – 100 Jahre unsere Burg

Unter dem Motto „100 Jahre unsere Burg“ feiert die Vereinigung der Freunde von Burg Rothenfels das 100. Jubiläum des Kaufs der Burg.

2020

Aufgrund der Covid-19-Pandemie muss der Burgbetrieb erstmals seit der Beschlagnahmung der Burg im Dritten Reich zeitweise eingestellt werden. Erst im Verlauf des Jahres 2022 kann der durchgehende Betrieb wieder verlässlich aufgenommen werden.

2025

Abschluss der denkmalgerechten Instandsetzung des Ostpalas und angrenzender Anlagen sowie der technischen Ertüchtigung von Kapelle und Rittersaal. Mit dem so genannten Gewölbesaal wird ein weiterer Tagungsraum erschlossen, und eine neue Außentreppe zur Kapelle ist errichtet. Mit über 12 Millionen Euro und einer über dreijährigen Bauzeit bildet die Maßnahme das bisher größte Bauprojekt in der Geschichte der Vereinigung.

Archiv der Vereinigung der Freunde von Burg Rothenfels


Zur Sicherung wesentlicher Dokumente und Akten betreibt die Vereinigung der Freunde von Burg Rothenfels ein eigenes Archiv. Hier finden sich vor allem Archivalien der Zeit nach dem Kauf der Burg durch den Verein der Quickbornfreunde (1919) – etwa im Umfang von 150 Umzugskartons. Neben klassischen Dokumenten wie Protokollen, Zeitschriften, Briefen oder Fotografien werden im Archiv auch Baupläne oder alte Stoffbanner aufbewahrt. Vereinzelt findet sich auch Material aus früheren Zeiten, etwa historische Fundstücke, die im Rahmen von Sanierungs- oder Umbaumaßnahmen gefunden wurden. Das Archiv ist nicht frei zugänglich. Forscher:innen haben aber die Gelegenheit nach vorheriger Absprache vor Ort zu recherchieren.

Kontakt: archiv@burg-rothenfels.de